Rotkäppchen-Raum im Bilderbuchmuseum

Die Rotkäppchen-Sammlung von Elisabeth und Richard Waldmann

Im Mittelpunkt des Sammelinteresses des Züricher Buchhändler-Ehepaares Elisabeth und Richard Waldmann stand das Thema "Rotkäppchen". In über 30jähriger Sammeltätigkeit haben sie ein einzigartiges Ensemble zusammengetragen.

Die Bestand umfasst circa 1000 Bücher, die vom Ende des 18. Jahrhunderts bis in die unmittelbare Gegenwart datieren, zahlreiche Gemälde, Graphiken und  Originalzeichnungen bekannter Bilderbuchkünstler*innen sowie eine Vielzahl volkskundlicher Objekte. Diese Objekte dokumentieren die Verwendung des Rotkäppchenmotivs in den Bereichen Spielzeug, Werbung und Gebrauchsartikel auf oftmals amüsante Weise.

Le petit chaperon rouge, Little Red Riding Hood oder Krasnaja schapotschka - kaum ein Märchen dürfte im europäischen Raum bekannter und beliebter sein. Bevor die Geschichte durch Charles Perrault (1628-1703) im Jahre 1697 erstmalig aufgezeichnet wurde, fand sie in verschiedenen französischen Regionen mündliche Verbreitung.
Das Volksmärchen vom Rotkäppchen ist wohl eng mit dem Volksmythos vom Werwolf verknüpft und trägt deutlich anthropophagische (Anthropophagie = Menschenfresserei) Züge. Das Rotkäppchen tritt uns als junge Frau oder zumindest als pubertierendes Mädchen gegenüber und die Fresstat des Wolfes bleibt ungesühnt.

Im deutschen Sprachraum fand das Märchen zunächst durch Ludwig Tieck weitere Verbreitung, der die Figur des Jägers und durch ihn die Rettung von Großmutter und Rotkäppchen einführte.
Von herausragender Bedeutung für die Rezeption des Märchens ist natürlich der Text der Brüder Grimm, der das Bild vom Rotkäppchen stärker prägte als alle anderen Fassungen.

Weitgehend parallel zur literarischen entwickelte sich die künstlerische Bearbeitung des Märchens.
Neben einer sogenannten Perrault-Linie mit Tabart, Crane, Hosemann, Bertall, Grandville und Doré entwickelte sich eine Grimm-Bechstein-Linie mit Richter, Sörensen, Gorey, Hechelmann und Zwerger. Eigenständige und bisweilen freie Auseinandersetzungen wagten u. a. Janosch, Ungerer und Wäscher. Außerhalb der Märchenwelt wurde der Rotkäppchenstoff in der populären Kultur (Werbung, Film, Fernsehen etc.) heimisch; dazu kommen literarische, dramatische und musikalische Bearbeitungen. Wohl kein Märchen wurde so oft zum Gegenstand wissenschaftlicher Studien - insbesondere im Bereich der Psychologie und Psychoanalyse.

Für das Sammlerehepaar Elisabeth und Richard Waldmann aus Zürich war insbesondere die Prominenz des Rotkäppchen-Themas in der klassischen wie modernen Bilderbuchillustration ausschlaggebend für ihre Entscheidung, diese ebenso umfangreiche wie vielschichtige Sammlung von Büchern, Heften, Originalillustrationen, Bilderbogen, Spielzeugen und Konsumartikeln anzulegen.