Archiv

Archiv des Bilderbuchmuseums

In fast vierzig Jahren Museumsgeschichte sammeln sich so viele Ausstellungen und Veranstaltungen an, dass wir diese Seite sukzessive ausbauen. Bitte haben Sie Verständnis.

  • TROISDORFER BILDERBUCHPREIS 2021 (05.09.2021 - 21.11.2021)

    Der Troisdorfer Bilderbuchpreis wurde in diesem Jahr zum 23. Mal verliehen.

    Er ist nach wie vor der einzige Spezialpreis für künstlerische Bilderbuchgestaltung im deutschsprachigen Raum. Die diesjährige Jury, die am 20. Mai 2021 im Bilderbuchmuseum eintraf, setzte sich aus der Fachjournalistin, Referentin und Autorin Antje Ehmann, der Programmleiterin des Kölner Jungen Literaturhauses Ines Dettmann sowie der Leiterin des Bilderbuchmuseums Troisdorf Pauline Liesen zusammen. Eine beratende Stimme hatte Dietlind Keutmann von der Stiftung Alsleben. Der Kinderjurypreis wurde von 16 Kindern aus insgesamt acht Troisdorfer Grundschulen gewählt.

    Nele Brönner: Frosch will auch. Tulipan 2020.

    Die Jury entschied einstimmig, der in Berlin lebenden Illustratorin Nele Brönner und dem Buch Frosch will auch (Tulipan Verlag, 2020) den ersten Preis zuzuerkennen. Nele Brönner zeichnete mit farbiger und schwarzer Tusche, feinen Pinseln und Buntstiften und verband schließlich Analoges mit Digitalem. Im Ergebnis entstand eine ganz eigene Welt, bevölkert mit kleinen Tieren in einem verwilderten Garten. In ihm versammeln sich Salamander, Feldmaus oder Maulwurf zu einem wichtigen Ereignis. So hat Igel zum Kostümball eingeladen – alle, nur Frosch nicht, der grundlos außen vor bleibt. Nach anfänglicher Enttäuschung greift Frosch zur Eigeninitiative: Ohne Einladung geht er zum Ball – im schönsten Kaktus-Kostüm des Abends.
    Mit ihren Illustrationen nimmt Nele Brönner einfühlsam Anteil an Froschs Enttäuschung, zeigt aber auch mit viel Bildwitz den Wandel der Geschichte. Letztendlich ist es ausgerecht Igel, der den Frosch wegen seines Kostüms lobt, und damit die Freundschaft neu beschließt, die durch das Gefühl anfänglicher Ausgrenzung „ernsthaft“ gefährdet war.

    Stilistisch und inhaltlich völlig anders arbeitet die Illustratorin Tatia Nadareischwili, die aus Georgien stammt. Ihr Buch Tina hat Mut (Baobab Books, 2020), das den 2. Preis des Troisdorfer Bilderbuchpreises erhielt, zeigt sich durchgehend in einem eher minimalistischen Setting. So wird mit dezenten Linien und wenigen Farben ein Stelzenhaus am Rande eines Bambushains entworfen und damit auf Georgien, das Land der eigenen Kindheit, angespielt. Tatsächlich sind es viele Erinnerungen an frühere Zeiten, die die Illustratorin in ihrem Bilderbuch spiegelt. Das Buch selbst handelt von einem Mädchen namens Tina, das in Begleitung ihres Hundes den dunklen Bambuswald durchquert, vor dem sie sich eigentlich fürchtet. Den Weg weist ihr anfangs ein Kreisel, den ihr der Vater vor seiner Abreise schenkte. Indem sie weiteren Zeichen, die im Wald verborgen sind, folgt, trifft sie schließlich auf den Jungen Kosta, mit dem sie umgehend Freundschaft schließt. Damit wird der Entdecker-Mut Tinas reich belohnt: Die neue Freundschaft war es wert, sich ein Herz zu nehmen und neues, unbekanntes Terrain zu durchqueren.

    Von „Warteschlangengeschichten“, die uns spätestens seit der Corona-Pandemie äußert vertraut sind, handelt das dritte Preisträgerbuch des Troisdorfer Bilderbuchpreises. Dabei zielt das Bilderbuch von Lena Hesse mit dem Titel Hallo, ist hier hinten? (Nilpferd, 2020) nicht auf Corona-Erfahrungen. Vielmehr spiegelt die Illustratorin eine ganz normale Situation im Sommer: Eine Warteschlange vor einem Eiswagen, die vor allem in Berlin (hier lebt die Illustratorin) und nach KiTa-Schluss entsetzlich lang zu sein scheint. Reale Situationen, die sich in solchen Warteschlangen ergeben, waren Auslöser für das jetzt vorliegende Bilderbuch, in dem sich Freunde, Nachbarn und Familienmitglieder von Lena Hesse in der Schlange der Wartenden einreihen. Die Wartenden reden miteinander, geben sich Zeichen, interagieren – oder stehen nur für sich. Wie die Gesprächsfäden verlaufen, erfährt der Betrachtende, indem er immer wieder im Buch vor- und zurückblättert. Damit wird eine Erzählebene bedient, die ausschließlich im Buch funktioniert – mit viel Zeit und der Möglichkeit, durch das wiederholte Blättern im Buch die zahlreichen Geschichten zu entdecken und selbst (weiter) zu erzählen.

    Für Geschichten, die tatsächlich von jungen Menschen gelebt werden, entschieden sich die Troisdorfer Grundschüler*innen, indem sie den Kinderjurypreis an das Buch Activists (Jacoby & Stuart, 2020) vergaben. In ihrem eher dokumentarisch ausgerichteten Sachbuch illustrierte Patricia Thoma in Schwarz-Weiß-Illustrationen und mit farbigen Hervorhebungen sehr eindrucksvoll das Handeln junger Menschen, die aktiv die Zukunft gestalten und dazu beitragen, dass die Welt gerechter und vor allem lebenswerter wird. Text und Bild des Buches zeugen im Zusammenspiel von einer ungeheuren Kraft, die den Funken auf die Troisdorfer Schüler*innen überspringen ließ. Diese erkannten die in Buch und Bild angesprochene wichtige Thematik sofort, schätzten aber auch die hohe Qualität der Illustrationen. Beides überzeugte die Schüler*innen, im Jahr 2021 ihren Preis dem Buch Activists zukommen zu lassen.

    Die Besucher*innenjury kürte während der Ausstellung Die Klimaschweine von der Illustratorin Julia Neuhaus (Text: Till Penzek) als Lieblingsbuch. Den Klimaschweinen darin geht es saugut! Sie schwelgen in einem Leben aus materiellem Luxus. Unterdessen wird es weit entfernt im Pinguinland immer wärmer. Unter Anleitung ihres Professors machen sich die Pinguine auf die Reise ins Schweineland. Sie wollen die Klimaschweine zur Rede stellen. Aber im Schweineland will ihnen zunächst einmal niemand zuhören. Erst als auch vor Ort das Klima immer ungemütlicher wird, sind die Schweine gewillt etwas zu verändern. Nur was?

    Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit zahlreichen farbigen Abbildungen sowie Texten von Ines Dettmann, Antje Ehmann, Christine Knödler, Pauline Liesen und Jennifer Walther-Hammel. Bei Interesse können Sie einen Katalog per Mail bestellen.

  •  Kinder brauchen Monster - Rosi in der Geisterbahn (24.08.2021 - 14.11.2021) 

    Die Bilderbuchgeschichte Rosi in der Geisterbahn (Beltz & Gelberg, 2005) handelt von der liebenswerten Häsin Rosi, die schon seit einiger Zeit keine ruhige Nacht mehr verbringt, da ein stets sich wiederholender Albtraum sie quält. Wie es Rosi gelingt, ihren Albtraum zu bewältigen und sich vom Angst-Hasen zum Mut-Hasen zu verwandeln, zeigt das Buch - und hier vor allem die Illustrationen. Auf humorvolle und zugleich ernsthafte Weise verdeutlichen sie den jungen Leser*innen, dass es sich lohnt, sich aktiv den eigenen Ängsten zu stellen und an Lösungen zu arbeiten.

    Philip Waechter: Rosi in der Geisterbahn. Beltz & Gelberg : 2004.

    Der Illustrator Philip Waechter, Sohn des legendären Zeichners und Cartoonisten F.K. Waechter, studierte an der Fachhochschule Mainz Kommunikationsdesign mit dem Schwerpunkt Illustration. Seit 1995 zeichnet und schreibt er Bilderbücher, Kinderbücher und Comics für Kinder und Erwachsene. 1999 gründete er gemeinsam mit anderen Künstler*innen die Frankfurter Labor Ateliergemeinschaft. Heute lebt Philip Waechter mit seiner Frau Moni Port und dem gemeinsamen Sohn in Frankfurt a.M.

    Die Ausstellung zeigt den Schaffensprozess des Autors und Illustrators Philip Waechter von der ersten Idee bis zum fertigen Buch. Zusätzlich werden weitere Arbeiten des genialen Künstlers gezeigt, sowie weitere Angst- und Albtraumbilder und der Umgang mit ihnen.

  • OTFRIED PREUSSLER: HOTZENPLOTZ & CO. (März 2021 - August 2021)

    Wer kennt sie nicht? Der Räuber Hotzenplotz, Die kleine Hexe, Der kleine Wassermann oder Krabat – Bücher verfasst von Otfried Preußler, der mit seinen Figuren und Geschichten Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur schuf, die seit über einem halben Jahrhundert sehr erfolgreich auf dem Buchmarkt bestehen. Seine mehr als 35 Bücher mit einer Gesamtauflage von mehr als 50 Millionen Exemplaren begeistern auch heute noch kleine und große Leserinnen und Leser weltweit.

    Zu Otfried Preußler als Autor und seinem literarischen Schaffen wurde über die Jahre hinweg viel geschrieben. Die Bilder zu seinen Geschichten blieben jedoch immer im Hintergrund. Diesen widmete sich die LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen erstmalig im Herbst 2020. In unmittelbarer Folge übernahm das Bilderbuchmuseum Troisdorf große Teile dieser Ausstellung.

    Daniel Napp: Das kleine Gespenst. Tohuwabohu auf Burg Eulenstein
    von Otfried Preußler & Susanne Preußler-Bitsch.
    Thienemann Verlag : 2016.

    Zu sehen sind in Europas einzigartigem Museum für künstlerische Bilderbuchillustration Originale von F.J. Tripp, der dem Räuber Hotzenplotz sein unverwechselbares Aussehen verlieh, aber auch Illustrationen zu dem Buch Das kleine Gespenst schuf. Die Zeichnerin Winnie Gebhardt ist mit Bildwerken rund um Die kleine Hexe oder Der kleine Wassermann vertreten. Moderner wird es mit den Illustrations-Kolorierungen von Daniel Napp oder Mathias Weber. Jan Peter Tripp schuf u.a. freie Arbeiten zum Thema „Hotzenplotz“ ebenso wie Julian Sonntag, der eine Street-Art- und Fotografie-Serie im Ruhrgebiet zu dem berühmten Räuber entwickelte.

  • HERBERT HOLZING: EINE SAMMLUNG VON BILDERN IM BUCH (März 2021 - August 2021) 

    Die erste Krabat-Ausgabe erschien 1971 und wurde aufgrund der großen Nachfrage 1976 als Prachtausgabe neu aufgelegt. 2005 legte der Thienemann Verlag eine weitere Ausgabe des Erfolgsromans auf und setzte damit auf ein Buch, das sich bereits als Klassiker im Kinder- und Jugendbuchbereich etabliert hatte. Dabei war es nicht nur der Text, der die kleinen und großen Leser*innen begeisterte. Vielmehr beeindruckten auch die Illustrationen, die der Künstler und Illustrator Herbert Holzing den Buchzeilen hinzugefügt hatte.

    Tatsächlich hatten Otfried Preußler und Herbert Holzing schon für das Buch Die Abenteuer des starken Wanja, das 1968 publiziert wurde, zusammengearbeitet. Seit dieser Zeit verband die beiden Männer eine innige Freundschaft, aus der zahlreiche gemeinsame Buchpublikationen entstammten. Das bis heute bekannteste ist sicherlich Krabat.

    Herbert Holzing: Krabat von Otfried Preußler. Arena - Verlag : 1971.

    Im Dezember 2008 übernahm das Bilderbuchmuseum der Stadt Troisdorf große Teile des Bildnachlasses Herbert Holzings. Dazu zählen viele Illustrationen, die Herbert Holzing in Zusammenhang mit den Texten Otfried Preußlers schuf, aber auch zahlreiche weitere Bilder, die Texte herausragender Autoren begleiteten. Zu nennen sind hier u.a. Willi Fährmann oder Lloyd Alexander. In einer Überblicksschau werden diese Illustrationen zum ersten Mal zusammenhängend der Öffentlichkeit präsentiert.

  • Ausstellung: Troisdorfer Bilderbuchpreis 2019 (07.07.2019 - 22.09.2019)

    1. Preis des Troisdorfer Bilderbuchpreises 2019: Christiane Pieper, Illustration zum Buch »Hick!« (Text: Anushka Ravishankar). Tara Publishing : 2017.

    22. Troisdorfer Bilderbuchpreis 2019: Den ersten Preis gewann Christiane Pieper für Ihre Illustrationen zum Buch "Hick!" 

    Den zweiten Preis vergab die Jury an die Illustratorin Susanne Straßer für „Der Wal nimmt ein Bad“ (Peter Hammer Verlag, 2018).

    Den dritten Preis erhielt Ulrike Möltgen für ihre Illustrationen zum Buch „Das Geschenk der Weisen“ (Insel Verlag, 2018).
    Der Förderpreis ging an Claudia Schramke, die mit ihrem Dummy zu „Der Hund“ (Text: Brigitte Schär) überzeugte.

    Die unabhängige Kinderjury, die sich aus Viertklässlern Troisdorfer Grundschulen zusammensetzte, wählte als ihren Favoriten das Buch „Eisbjörn - Das unglaubliche Abenteuer des tapferen Mäuserichs“ von Lev Kaplan (Thienemann, 2017).

    Lev Kaplan: Eisbjörn. Das unglaubliche Abenteuer des tapferen Mäuserichs. Thienemann 2017

    Eisbjörn“ erhielt außerdem den Publikumspreis des Troisdorfer Bilderbuchpreises 2019.

    Anlässlich der Ausstellung „Troisdorfer Bilderbuchpreises 2019“ (7. Juli bis 22. September 2019) hatten große und kleine Besucher der Ausstellung die Gelegenheit, in die Rolle der Jurorin und des Juros zu schlüpfen. Auf einem Stimmzettel konnte der eigene Favorit der Bilderbücher ausgewählt werden, die zum „Troisdorfer Bilderbuchpreis 2019“ eingereicht worden waren.

    Sieger des Publikumspreises ist das Buch „Eisbjörn. Das unglaubliche Abenteuer eines tapferen Mäuserichs“, illustriert von Lev Kaplan (Text: Max Kaplan, Thienemann Verlag 2017). Dieses Buch hatte im Juli 2019 bereits den Preis der Kinderjury erhalten.

    Insgesamt zeigt sich der Publikumspreis damit als eine tolle Bestätigung vor allem für die Kinderjury, die wieder einmal den „richtigen Riecher“ hatte.