Neubau für die integrative Kindertagesstätte

„Heidepänz“ bekommen ein Haus am See

Stellten Pläne der Heidepänz vor: v.l. Rüdiger Unterkötter, Erster Beigeordneter Heinz Eschbach, Josefine Berger, Ursula Wolter, Markus Wüst, Brigitte Wiese und Dagmar Reimers.
Stellten die Baupläne vor: Rüdiger Unterkötter und Kita-Leiterin Josefine Berger im Familienzentrum Am Wasserwerk.
Pläne für den Neubau der Kita "Heidepänz" am Rotter See, Ansicht von der Uckendorfer Straße.

Die „Heidepänz“ werden zu Seepferdchen: Weil das bisherige Domizil der Integrativen und heilpädagogischen Kindertagesstätte und Familienzentrum „Heidepänz“ in Troisdorf-Altenrath zu alt und zu klein ist, sowohl den baulichen als auch pädagogischen Ansprüchen nicht mehr genügt, hat sich der Trägerverein zu einem Neubau entschieden. Der soll an der Uckendorfer Straße am Rotter See neben der Eissporthalle entstehen.

Die „Heidepänz“ hatten 1971 die ehemalige Altenrather Schule an der Flughafenstraße, ein städtisches Gebäude, gemietet. 1986 wurde der Kindergarten zu einer integrativen und heilpädagogischen Kita für Kinder mit und ohne Behinderung. Seit 1989 steht Rüdiger Unterkötter dem Trägerverein der Einrichtung vor. Kita-Leiterin ist seit dem Jahr 2000 Josefine Berger, die zurzeit mit einem interdisziplinären Team von 24 Erzieherinnen, Physio- und Ergotherapeutinnen sowie Heilpädagoginnen 49 Kinder betreut.

„Die Heidepänz haben ein überregionales Einzugsgebiet und das alte Gebäude entspricht nicht mehr den Anforderungen an modern gestaltete Integration und Inklusion. Die Räume sind nicht mehr funktionell und ein Umbau würde viel zu teuer“, erklärte Vereinsvorsitzender Unterkötter.

Der Neubau mit 1.450 qm Grundfläche auf einem Grundstück von 5.100 qm oberhalb des Rotter Sees wird, statt bisher 4 Gruppen, dann 6 Gruppen mit 80 Kindern beherbergen, davon zwei integrative, zwei heilpädagogische (wie bisher) und zwei neue U-3-Gruppen für Kinder mit Behinderung im Alter unter 3 Jahren. Die Zahl der Mitarbeiterinnen wird dazu von 24 auf 29 erhöht.

Einzug in einem Jahr

Die Bauarbeiten werden in Kürze beginnen und schon im Spätsommer 2014 soll Einzug sein. Die Planung obliegt dem Architekturbüro Konrath und Würker aus Troisdorf-Bergheim. Die Baukosten übernimmt ein Investor, der das fertige Gebäude dem Trägerverein „Heidepänz“ vermietet. Stadt und Land geben erhebliche Zuschüsse.

„Die fünf Altenrather Familien, die ihre Kinder bei uns angemeldet haben, wollen auch mit an den Rotter See ziehen“, berichtete Kita-Leiterin Josefine Berger zuversichtlich. Indessen bleibt die Arbeit der Kita auch im neuen Gebäude dem heilpädagogischen Ansatz von Maria Montessori verpflichtet.

Berger arbeitet eng mit den beiden anderen integrativen Troisdorfer Kindertagesstätten zusammen, den städtischen Kitas Magdalenenstraße in Troisdorf-Oberlar und Am Wasserwerk in Troisdorf-Mitte, die unter anderem eine gemeinsame Spielgruppe für Kinder mit Handicap anbieten.

Drohende Einschränkungen

In der Kita Am Wasserwerk, ebenfalls Familienzentrum und Sozialraum für Jung und Alt, werden drei Gruppen mit 45 Kindern von einem interdisziplinären Team von 16 Mitarbeiterinnen betreut. Allerdings machen sich Berger und ihre Kolleginnen, Brigitte Wiese, Leiterin der Kita Am Wasserwerk, und Dagmar Reimers, Leiterin der Kita Magdalenenstraße, große Sorgen wegen der Landespläne für Veränderungen in integrativen Einrichtigungen.

In einem Gespräch der Leiterinnen der drei integrativen Kitas mit dem zuständigen Dezernenten der Stadt, Erstem Beigeordneten Heinz Eschbach, Jugendamtsleiter Dr. Markus Wüst und Sachgebietsleiterin Ursula Wolter, wurde deutlich, dass die neuen Pläne herbe Einschränkungen für die Arbeit in integrativ arbeitenden Kindertagesstätten im Rheinland bedeuten würden. Unter anderem würden die Therapeuten aus den Teams abgezogen und die Fahrtkostenzuschüsse für Eltern behinderter Kinder gestrichen.

„Das ist nicht hinnehmbar. Alle reden von Inklusion und hier bei uns im Rheinland wird sie umgesetzt und alltäglich praktiziert, vom Landschaftsverband vorbildlich unterstützt, um Kinder mit Behinderung adäquat zu fördern. Aber darüber hängt ein Damoklesschwert: Das System in NRW soll vereinheitlicht werden, d.h. es wird auf ein niedrigeres Niveau herabgestuft. Das wäre ein großer Rückschritt“, befürchtete Eschbach.

Bewährtes Sytem erhalten

„Das jetzige bewährte System hat einen hohen Wert für die Inklusion, für Kinder mit und ohne Behinderung. Wir leben in unseren Einrichtungen die Inklusion, begleiten sie mit Therapie und Beratung, und das wäre gefährdet, wenn Leistungen gestrichen würden“, zeigte sich Kita-Leiterin Reimers besorgt. Die Sicherheit und die Kontinuität für die Kinder ginge verloren. „Der höhere rheinische Standard sollte lieber nach Westfalen übertragen werden, und nicht umgekehrt“, brachte Erster Beigeordneter Heinz Eschbach seine Besorgnis auf den Punkt.