Barocker Glanz in berauschender Vielfalt 

Evgeny Sviridov begeistert im Kunsthaus mit der Solo-Barock-Geige

Die Sonaten und Partiten, stets im Wechsel ausgeführt, sind nach gleichem Schema aufgebaut. So folgen jeweils der Sonate mit den entsprechenden Tempobezeichnungen, etwa Adagio, Andante oder Allegro, die Partiten mit Namen der Tänze wie Allemande, Sarabande oder Gigue. Alleine diese Vielfalt der musikalischen Ausdrucksweise erforderte ein umfassendes technisches Vermögen von Sviridov. Was das bedeutet, demonstrierte der 37-Jährige mit nie endender Spielfreude. Bei den langsamen Sonatensätzen hieß das: Viel Spiel mit Doppelgriffen, wo stets zwei oder mehrere Saiten mit einem Strich zu spielen sind. Der Effekt ist vor allem bei den ersten beiden Sonaten, die wie die Partiten in Moll gesetzt sind, melancholisch oder geheimnisvoll. Was verstärkt wird durch den Verzicht auf das in der Romantik übliche Dauervibrato. Im Barock ist es eher verpönt. Gleichwohl war der gediegene, langsame Puls genauso fesselnd wie die schnellen Läufe bei den schnellen Tänzen der in Dur E-Dur gesetzten letzten Partita. Farbenglühend war das, hochvirtuos von Sviridov ausgeführt, der zwischendurch den Saal mit Hintergrundinformationen versorgte. Und er verlieh einer Allemande, die nur von den Königen getanzt wurde, die gleiche würdevolle Anmut, wie er eine Bourrée Energie verlieh: lustig-heiter, halt so, wie es die jungen Burschen und  Mädchen tanzten.