Frauen, Männer, Macht

Weltfrauentag und Tag der Archive 2014

Referentin Frau Karsten (mittig) zwischen Bürgermeister und der Gleichstellungsbeauftragten Frau Lapke-Fernholz
Am Stand des Heimat-und Geschichtsvereins und des Stadtarchivs
Frau Böhm während ihrer Einführung

Unter dem Motto „Frauen – Männer – Macht“ fand am Sonntag, den 9. März 2014 im Rathaus ein Tag der Offenen Tür statt. 

Anlässlich des bundesweiten Tages der Archive und des Weltfrauentages gestalteten das Stadtarchiv, die Gleichstellungsbeauftragten sowie weitere Partner ein buntes Programm. 

Trotz des hervorragenden Wetters fanden viele Interessierte unterschiedlichen Alters den Weg ins Rathaus.

Der Tag wurde durch die Begrüßung des Bürgermeisters eingeläutet. Klaus-Werner Jablonski, der die Schirmherrschaft übernommen hatte, freute sich über die zahlreichen Angebote und die Zusammenarbeit von Archiv, Gleichstellungsbeauftragter und weiteren Einrichtungen und Vereinen. Er betonte, wie wichtig es sei, sich mit der Geschichte der Stadt und ihrer Bewohnerinnen und Bewohner auseinanderzusetzen. Der Weltfrauentag biete eine geeignete Gelegenheit, einen thematischen Schwerpunkt auf die weibliche Bevölkerungshälfte zu legen und historische wie aktuelle Fragen aufzugreifen. Er bedankte sich bei allen Beteiligten für das Engagement bei der Vorbereitung und Durchführung des Tages der Offenen Tür, der allen Troisdorferinnen und Troisdorfern, aber auch weiteren Interessierten zu Gute komme und zugleich zeige, wie vielfältig das Angebot und die Einsatzbereitschaft der Menschen vor Ort sei.

Das anschließende Familienfrühstück anlässlich des Weltfrauentages fand großen Zuspruch in der Cafeteria. Die seit nunmehr 30 Jahren bestehende  Gleichstellungsstelle der Stadt lädt regelmäßig zu diesem Treffen ein. 

Die neue Stadtarchivarin Antje Winter führte im Laufe des Tages mehrere Gruppen durch die Räumlichkeiten und Bestände des Archivs. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erkundigten sich nach dem Alter von Akten oder gegenständlichen Quellen, zeigten sich erstaunt ob der im Magazin vorfindbaren Sammlung von Geschenken an den Bürgermeister, trugen Erinnerungen und Anekdoten zur Stadtgeschichte bei und erfuhren manches über Recherche- bzw. Nutzungsmöglichkeiten des „Gedächtnisses der Stadt“. Hans Luhmer führte als filmischen Schatz aus dem Archiv Aufnahmen über das ehemalige Rathaus in Sieglar und seine Sprengung vor. Anwesende städtische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und weitere Interessierte erinnerten sich gerne und beredt an das Gebäude und die im Film vorkommenden dazugehörigen Menschen.

Viel Aufmerksamkeit erfuhr der Vortrag von Herrn Norbert Flörken, der auf der Basis der Quellen des Stadtarchivs einen reich bebilderten Vortrag über die „Troisdorfer Frauen im `Dritten Reich`“ hielt. Der kleine Sitzungssaal des Rathauses war bis auf den letzten Platz gefüllt und gebannt verfolgt wurden seine Ausführungen zum Schicksal von Zwangsarbeiterinnen, jüdischen Bürgerinnen oder auch von Frauen aus Troisdorf, die in Hadamar ermordet wurden.  

Waltraud Böhm, Vorstandsmitglied im Heimat- und Geschichtsverein Troisdorf e.V., referierte praxisnah und sehr kompetent über Grundlagen der Ahnenforschung.  Zahlreiche Interessierte brachten sich mit Fragen zur Methodik ein und kamen auch untereinander ins Gespräch.

Die Senioren-Schreibwerkstatt lud am Nachmittag zu einer Lesung und anschließendem Austausch. Unter dem Titel „Aus den Archiven Troisdorfer Köpfe“ wurden selbstverfasste Texte vorgestellt. Begleitet und unterstützt wurde die Lesung durch den Lehrer-Chor „Zweiklang“ vom Schulzentrum Sieglar unter der Leitung von Herrn René Backhausen.

Ferner bereicherte Adele Niederquell das Nachmittagsprogramm mit ihren im typischen rheinischen Dialekt gehaltenen Episoden aus Bergheims vergangenen Zeiten.

Die Volkshochschule für Troisdorf und Niederkassel bot nicht nur einen Vortrag über Hildegard von Bingen an, ein solcher fand ebenso zum „Abenteuer Familienalltag“ statt. Silke Karsten kam dabei mit zahlreichen jungen und älteren Frauen ins Gespräch.

Einen Dialog über die Generationsgrenzen hinweg ermöglichte das Ehepaar Elisabeth und Winfried Zocher. Als das in Troisdorf und darüber hinaus bekannte Filmteam ZET widmeten sie sich zuletzt der Geschichte und Gegenwart der Junggesellenvereine in Spich und präsentierten ihren aufschlussreichen Film erstmals der Öffentlichkeit. Die Besucherinnen und Besucher zeigten sich sehr interessiert an Traditionen, Ritualen und dem heutigen Vereinsleben. Daniel Schmidt, der Vorsitzende des Junggesellenvereins Spicher Jungen 07 e.V. war nicht nur im Rahmen der Dokumentation zu sehen, er gab auf Einladung des Ehepaars Zocher auch bereitwillig Auskunft über die heutige Vereinskultur.  

Beate von Berg, Annemarie Thon und Dietlind Keutmann von der Burg Wissem gestalteten freundlicherweise das Kinderprogramm. Die kleinen Besucher konnten Löffel-Puppen basteln oder sich mit Bilder-Spielen beschäftigen.

Die nach dem Konzept von Sonja Fatma Bläser und Kirsten Bentlage angelegte Ausstellung zu „Lebensgeschichten der ersten Gastarbeiter“, die als Auftragsarbeit des hiesigen Mehrgenerationenhaues/Haus International entstanden ist, fand (und findet) im Foyer viele Interessierte. Sie informierten sich anhand der gesammelten Lebensgeschichten über die Lebenssituation der „Gastarbeiterinnen“ und „Gastarbeiter“ in den 60er und 70er Jahren gezeigt.

Das Aussteller-Forum im Ratssaal wurde ebenfalls stark frequentiert: Publikationen des Heimat- und Geschichtsvereins Troisdorf fanden ebenso wie Bücherbestände des Archivs Käufer und Spender. Die Verbraucherzentrale informierte gleichfalls umfänglich wie die Volkshochschule, die Gleichstellungsbeauftragten und das Frauenzentrum Troisdorf e.V.

„Frauen-Männer-Macht“ – dieses Motto vereinte vielfältige Angebote unter dem Dach des Rathauses und brachte zugleich viele Troisdorferinnen und Troisdorfer ins Gespräch über Geschichtliches und Heimatspezifisches. Frau Winter und Frau Lapke-Fernholz zeigten sich sehr dankbar für die Beiträge vieler Menschen und Initiativen an diesem Tag. „Die gute Resonanz der Bürgerinnen und Bürger ist für uns ein Ansporn, den bundesweiten Tag der Archive, der alle zwei Jahre ansteht, auch zukünftig zu einem offenen Forum für alle Interessierten hier vor Ort zu machen und verschiedene Partner dazu einzuladen“, fassten die Initiatorinnen zusammen.