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Modetage für Kinder auf Burg Wissem

Aus Alt mach Neu für den Laufsteg

Der Rote Teppich war Laufsteg für die jungen Modedesignerinnen auf Burg Wissem
Rebecca Radon aus Sieglar zeigt stolz ihre selbstgenähte Tasche.

Wenn Kleider Leute machen… und Kinder ihre eigene Mode. Die sogenannten „Fashion Days“ für Kinder und Jugendliche fanden schon zum fünften Mal auf Burg Wissem statt. Dazu wurde wieder eine Menge Stoff und Altkleider zur Verfügung gestellt, ebenso wie Nähmaschinen, Faden und Farbe. Vom Zusammenstellen von Mood Boards, die als Collage und Ideensammlung für die eigene Kollektion dienten, bis hin zu Entwurfszeichnungen, Accessoires und dem „Upcyling“ alter Kleidung, war alles dabei.

Der Workshop hatte schon in den vorangegangenen Jahren einen breiten Anklang bei Kindern und Jugendlichen gefunden. Das bestätigte sich auch dieses Jahr wieder mit der Zahl der Anmeldungen. An vier Tagen hatten elf Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 10 und 12 Jahren die Möglichkeit, ihre eigene Mode aus Altkleidern zu entwerfen und dabei ihre Kreativität und Fantasie einzusetzen.

Dieses Mal, so berichtet die Kursleiterin Martha Zan zufrieden, sind sogar Zwölfjährige aktiv im Workshop unterwegs. Bevor es aber so weit war, bekamen die Mädchen zunächst im Museum für Stadt- und Industriegeschichte (MUSIT) einen Einblick darüber, welche Bedeutung und welchen Stellenwert die Mode im gesellschaftlichen Leben vor 200 Jahren hatte.

Nähmaschinen-Führerschein

Die jährliche Veranstaltung in den Sommerferien ist ein Angebot des Museums im Rahmen des Landesprogramms „Kulturrucksack NRW,“ gefördert vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen. Dadurch können die begeisterten Modedesignerinnen und -designer kostenlos am Workshop teilnehmen. Aber nicht nur das Handwerk an der Nähmaschine, der durch den Erwerb des „Nähmaschinen-Führerscheins“ vermittelt wird, ist Gegenstand des Workshops.

Vielmehr ist Museumspädagogin Jennifer Walter-Hammel, der Kursleiterin Martha Zan und ihrer Assistentin Vinnie Vella daran gelegen, den jungen Menschen neben dem handwerklichen Geschick auch den Inhalt der Mode und den Gedanken des Recyclings zu vermitteln. Kleider, die einem nicht mehr gefallen, sollen nicht direkt für immer aus dem Kleiderschrank verbannt werden. Sie können durch die erlernten Fähigkeiten im Kurs zu neuen Kleidungsstücken umgestaltet werden.

Lebendige Modenschau

Die Kleider, Taschen, Röcke und Shirts wurden schließlich bei einer Modenschau den Eltern und Freunden vorgestellt. Zuvor berichtete Kursleiterin Martha Zan über den Verlauf des Kurses. Ganz begeistert teilte sie den Eltern mit, dass die Mädchen nicht nur eine Menge geleistet hätten, sondern auch ihre Entscheidungen selbstbewusst getroffen haben.

In der Modenschau wurden die selbst entworfenen Kleidungsstücke für den Alltag und für die Abendgarderobe in zwei Durchläufen repräsentiert. „Es ist schon eindrucksvoll zu erleben, wie die jungen talentierten Mädchen selbstbewusst auf dem Laufsteg auf und ab laufen, als hätten sie noch nie etwas anderes getan. Auch die Kleidung war durchaus gelungen und schön anzusehen“, freute sich Kursleiterin Zan.

Vorfreude auf nächstes Jahr

Für Rebecca Radon (10) aus Sieglar war es die erste Teilnahme am Workshop. Sie hatte zuvor noch nie mit einer Nähmaschine gearbeitet. Aus einer Hose entwarf sie eine Tasche und schnitt die Träger dafür selber aus. „Wenn wir nächstes Jahr nicht in den Urlaub fahren, dann möchte ich wieder dabei sein“, erklärte sie freudestrahlend.

Kursleiterin Martha Zan studierte Kunstgeschichte, arbeitete als Kostümassistentin an der Kölner Oper, war viele Jahre im Bilderbuchmuseum und im Museum für Stadt- und Industriegeschichte als freiberufliche Museumspädagogin tätig und lebt heute in Berlin. Dieses Mal wurde sie wieder von einer ehemaligen Teilnehmerin der „Fashion Days“, Vinnie Vella, tatkräftig unterstützt. Infos zu den Veranstaltungen und dem Projekt „Kulturrucksack NRW“ bei Beate von Berg unter Tel. 02241/900-425.

Mary Konti