Ein Musterbeispiel für bildhafte Umsetzung war das Stück „Mäandern“. Die Bezeichnung „Die Moldau des Jazz“ wäre für Treschers klangliche Illustration eines Bachlaufs in Anlehnung an Bedřich Smetanas Ewigkeitswerk gar nicht so weit hergeholt. Man wähnte sich bei der Beobachtung eines, seinen Weg in engen und weiten Windungen bahnenden Baches. Triller und flinke Läufe über die Klaviatur eröffneten einen intensiven Blick auf das unternehmungslustige Gewässer - über Steinchen springend, Kaskaden hinabpolternd oder träumend im Sonnenlicht verweilend. Im Dialog mit dem überaus feinnervig agierenden Pianisten widmete sich die Klarinettistin indes eher den gröberen Konturen, der Kraft des Wassers, der Strudel oder des breiten Dahinfließens, bis es sich ermattet in einem Fluss verliert.
Dabei wechselte Trescher vom ebenso einfachen wie eindringlichen Thema zu virtuosen Improvisationen, denen Pianist Feith in nichts nachstand. Begleitet wurde der leise Abschied des Baches von Jan Brills verträumtem, melodierhythmischem Schlagzeug.
Alle Stücke des Abends, fünf davon aus dem jüngsten Album „Changing Perspectives“, waren Kunstwerke - filigran, farbenglühend oder mit sonorem Schmelz die tiefen Register der Bassklarinette ausleuchtend. Treffsicher ist Trescher im Umgang mit verschiedenen Jazzstilen. Beim „Zaubergarten“ flutete das Quartett den Saal mit flirrenden Sambarhythmen und hochvirtuosen Unisono-Passagen sowie Soli von Klavier und Klarinette. „Der musikalischen Vielfalt“ des brasilianischen Multiinstrumentalisten Hermeto Pascoal habe Trescher das Stück gewidmet. Der Schluss war weihevoll, mit immer leiser werdendem Finale, das im Flüstern der Instrumente endete.
Dem Bebop indes gehörte das neue Stück „Don´t stop“. Dem Imperativ hätte das Quartett angesichts der fesselnden Ausgestaltung noch ein Weilchen nachkommen dürfen. Der mit positiver Sturheit die zuverlässige Basis für Melodie und Rhythmik sicherstellende Lukas Kelle glänzte hier mit klasse Solo und flinken Zupfspiel auf der hohen G-Saite seines Kontrabasses.
Dem Avantgarde-Jazz gehörte in Hälfte zwei das „Silent Landsscape“ mit dreiminütigen Bass-Vorspiel unter Einsatz eines Bogens und der Samba „Where we belong“, der flüssig und entspannend daherkam. Gar tanzbare Rumba-Klänge begeisterten in der Modern-Jazz-Zugabe „Spring“, die tatsächlich Lust auf Frühling machte. Wobei kurze Phrasen aus „Arrivederci Roma“ sogar die Romantik ein wenig schürten.
