Kunsthaus Troisdorf:

Kunstvoller Jazzgenuss mit Schmid's Huhn

Derart komplex-anspruchsvolle Arrangements reden durchaus der Lesart des Jazz des Kölner Quartetts „SCHMID’S HUHN“ musikalisch das Wort. Sie bedienen sich beim Cool Jazz und Hard Bop ebenso wie beim Avantgarde Jazz und beim Post Punk, in Teilen gar beim Free Jazz. Alles wohl dosiert und ohne harte Kontraste geschmeidig designed. Eben so wie es von Hochkarätern wie den Saxofonisten Stefan Karl Schmid (Tenor) und Leonhard Huhn (Alt) erwartet werden darf. Ersterer studierte an der Manhattan School of Music und hat eine Professur an der Hochschule für Musik Mannheim, Huhn ist spezialisiert auf Neue Musik und Improvisation, arbeitet unter anderem mit dem renommierten Kölner Improvisation-Ensemble „Multiple Joyce Orchestra“ zusammen.

Bass Stefan Schönegg kann in seiner Vita die Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Klangkünstler Arto Lindsay vorweisen und der aufstrebende Drummer Fabian Arends (*1990) musizierte als junger Mann mit der amerikanischen Größe Lee Konitz, erhielt als 26-Jähriger zudem einen Lehrauftrag an der  Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart. Das waren also vier zuverlässig tragende Säulen für einen Abend, der die Herzen der Jazzfans höher schlagen ließ.

So brannte sich „1500 Dollars“ ins Gemüt mit seinem herb-flauschigen Bass-Auftakt, auf den Kuhn und Schmid ihr Spiel betteten, mit fesselnd synchronem Unisono-Spiel oder durchdringenden Bebop-Improvisationen Kuhns. Schmid veredelte das Stück mit facettenreichem Solo, das die Spanne von Stakkato bis sentimental groovend abdeckte. Wie in allen Stücken des Abends spannte Schlagzeuger  Arends eine Klammer über die Klangbilder, die ein reiches Schlag-Repertoire von Blakey und Gadd bis Chico Hamilton reflektierten.

Swingend kam das „Fore Warned“ daher mit seinem Überfluss an brillanten, überblasenen Saxofonläufen. Die wurden in einer Lässigkeit angegangen, als wäre das Spiel auf dem Holzblasinstrument ein Kinderspiel. „Room To Dream“, das, wie Schmid sagte, an die gleichnamige Biografie über den Regisseur David Lynch erinnern sollte, wurde zu einem rassigen Blues-Dialog zwischen Alt- und Tenor-Saxofon, kommentiert vom eindringlichen Basssolo. Ein begeisternder Abend für alle, die eintauchten in die farbenglühende Melodie- und begeisternde Rhythmus-Vielfalt.