Aktuelle Ausstellungen

Vom 10. Mai 2026 - 06. September 2026

Anke Kuhl. Tach zusammen

Für das Bilderbuchmuseum der Stadt Troisdorf ist Anke Kuhl keine Unbekannte. Im Jahr 2002 erhielt sie für ihr Buch Cowboy will nicht reiten das erste Troisdorfer Bilderbuchstipendium. Seitdem war sie mehrfach mit ihren Arbeiten in Ausstellungen des Museums zu sehen, beteiligte sich an Workshops der Stiftung Illustration und gestaltete außergewöhnliche Ausstellungseröffnungen mit. Und immer war es ein großer Gewinn für alle. Heute zählt sie zu den bedeutendsten Kinderbuchillustratorinnen Deutschlands.

Geboren wurde sie 1970 in Frankfurt am Main, studierte "Freies Zeichnen" in Mainz, "Visuelle Kommunikation" an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach und gründete im Jahr 1999 gemeinsam mit anderen Künstler*innen die Frankfurter "Labor Ateliergemeinschaft". Mit ihren Illustrationen sorgte Anke Kuhl schon bald für Aufmerksamkeit. So erhielt sie 2004 den Eulenspiegelpreis. Für ihr illustriertes Buch Alles Familie! wurde sie 2011 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Prämiert wurde ebenfalls das Sach-Lesebuch Ich so du so, das gemeinschaftlich mit der "Labor Ateliergemeinschaft" entstanden war. Für ihren Comic Manno! wurde sie 2019 von der Berthold Leibinger Stiftung und 2020 mit dem Max und Moritz-Preis ausgezeichnet.

Was aber macht die Illustrationskunst Anke Kuhls so besonders? Anke Kuhl zeigt keine Scheu vor unterschiedlichen Buchgenres und "heißen" Themen. Mit Taktgefühl und Humor gelingt es ihr, tabuisierte Wirklichkeiten kindgerecht darzustellen. So wird Peinliches, Grausames oder vermeintlich Unheimliches erträglich. Mit ihren Büchern gewinnt Anke Kuhl die jungen Leser*innen, die Ihre Bilder meistens unbefangen und mit großem Spaß betrachten. Die Erwachsenen können sich derweil auf Fragen ihrer Kinder gefasst machen - und zwar Fragen, die nicht immer ganz so einfach zu beantworten sind.


Vom 26. April 2026 - 30. August 2026

Kein Kinderkram. Comics für Kinder

Lange rümpfte man in Deutschland beim Thema Comics die Nase, denn das Genre, das vom amerikanischen Markt nach Europa schwappte, war schon sehr früh als Schmutz- und Schundliteratur abgetan. Dies galt vor allem für Comics für Kinder, denn nahezu verpönt schien es, Geschichten für junge Leser*innen mit bunten Bildchen erzählen zu wollen. Seit einigen Jahren wandelt sich diese Einstellung und immer mehr Kinder- und Jugendbuchverlage entdecken den Kindercomic neu. Sie werden mit Niveau produziert und verlegt – nicht für den üblichen Heftchenmarkt, sondern in schön gebundener Form und durchaus spezialisiert für Leseeinsteiger*innen. Denn heute weiß man: Comics schulen die Wort-Bild-Verknüpfung und unterstützen damit das Begreifen von Wörtern und deren Inhalten. Durch das visuelle Einbetten von Kontexten wird das erlernte (Wort-)Schreiben und Lesen schneller erfasst und tiefer im Gedächtnis verankert. 

Ob nun didaktisch-pädagogisch bewusst oder auch nicht, wie sehr der Kindercomic in den letzten Jahren an Aufmerksamkeit gewonnen hat, zeigen Verlage wie Carlsen oder auch Reprodukt, die zu ihren bereits etablierten Comics für Erwachsene jetzt auch den Kindercomic verstärkt in ihre Programme miteinbeziehen. Der Kibitz Verlag wurde anlässlich des Vertriebs und der Förderung des Kindercomics neu gegründet und zeigt heute eine Bandbreite und Qualität innerhalb des Genres, die kaum zu überbieten sind. Auch das Comic-Magazin Polle, das seit 2018 im Péridot Verlag in Köln publiziert wird und mit unterschiedlichen, auch international etablierten Comicillustrator*innen arbeitet, stellt zusätzlich unter Beweis, wie sehr heute der Comic für Kinder im Mittel punkt des Interesses steht. 

Um diesem aktuellen Markttrend nachzugehen, zeigt das Bilderbuchmuseum von April bis August 2026 eine Auswahl von Kindercomics, die derzeit den Bilder- und Kinderbuchmarkt stark beeinflussen. Den „roten Faden“ durch die Ausstellung bildet dabei zu großen Teilen das Polle-Magazin und die Auswahl der hier wiedergegebenen Comic-Geschichten. Damit sind in der Comic-Ausstellung Arbeiten von Künstler*innen wie Sandra Brandstätter, Tanja Esch, Max Fiedler, Tor Freeman, Ulf K., Leo Leowald, Ferdinand Lutz, Mawil oder Thomas Wellmann ebenso zu sehen wie eine Auswahl von Kindercomics von Nadia Budde, Ralf König, Anke Kuhl, Jörg Mühle, Moni Port, Jens Rassmus, Axel Scheffler, Philip Waechter und Claudia Weikert. Weitere bekannte Illustrator*innen, die in der Ausstellung eine wichtige Rolle spielen, sind Flix, Uwe Heidschötter, Regina Kehn, Matthias Lehmann, Stephan Lomp, Josephine Mark oder beispielsweise Kim Schmidt.


COMING SOON

Ausstellung zu F.K. Waechter vom 13. September 2026 bis zum 29. November 2026 / Ausstellung zu Philip Waechter vom 13. September 2026 bis Januar 2027

F. K. Waechter und Philip Waechter. Väter und Söhne

Wie der Vater so der Sohn? Ja - und doch zugleich ein großes Nein! Denn auch wenn der Sohn in die Fußstapfen seines Vaters tritt, ist es gerade in künstlerischen Berufen sehr wichtig, dass der Jüngere seinen eigenen, ganz persönlichen (Fuß-)Abdruck hinterlässt. Gerade dies ist Philip Waechter angesichts seines renommierten Vaters Friedrich Karl Waechter schon vor Jahrzehnten sehr überzeugend gelungen. 

F.K Waechter wird am 3. November 1937 in Danzig geboren. Nach seiner Ausbildung zum Grafiker in Hamburg wechselt er nach Frankfurt a.M., wird Chefgrafiker der Zeitschrift "Pardon" und Ende der 1970er Jahre Mitherausgeber des Satiremagazins "Titanic". Spätestens jetzt zählt F.K. Waechter zu einem der Hauptakteure der Neuen Frankfurter Schule und zu einem der eigenwilligsten Komik-Produzenten im deutschsprachigen Raum. 1970 erscheint das Buch Der Anti-Struwwelpeter, das zunächst nicht als Kinderbuch gedacht war, mit der aufkommenden antiautoritären Erziehung aber als neues Buch für Kinder gefeiert wird. Es folgen weitere Kinderbücher, die auf dem etablierten Markt ins Auge stechen, da sie ganz neue Aspekte in die deutsche Bilderbuchlandschaft mit einbringen: den kreativ spielerischen Umgang mit Bildern, der erstmalig auch direkt im Buch umgesetzt werden darf. 

Wie bei seinem Vater steht auch beim Sohn das Kind im Mittelpunkt des Interesses - und wird ernst genommen. 1968 wird Philip Waechter in Frankfurt a.M. geboren und studiert Kommunikationsdesign mit dem Schwerpunkt Illustration an der Fachhochschule Mainz. 1995 veröffentlicht er sein erstes Buch und zeichnet und schreibt seither mit großem Erfolg Bilderbücher, Kinderbücher und Comics vor allem für Kinder - aber auch für Erwachsene. 1999 gründet er mit Anke Kuhl, Moni Port und anderen Künstler*innen die Labor Ateliergemeinschaft, der er bis heute angehört. Inhaltlich wie stilistisch gilt Philip Waechter als Feingeist unter den Illustrator*innen, dessen Bilder und Texte sich durch einen unterschwelligen Humor und eine große Liebenswürdigkeit der Protagonist*innen auszeichnen. Das große Glück im Kleinen zu finden - dieser Gedanke zieht sich wie ein roter Faden durch zahlreiche seiner Werke.

Die Ausstellung "F.K. Waechter und Philip Waechter" vereint das Schaffen zweier Ausnahmekünstler, die sich stilistisch und inhaltlich sehr voneinander unterscheiden. Vereint sind beide Generationen in ihrem Anspruch (junge) Lesende aktiv in das Genre "Buch" einzubeziehen und so im wahrsten Sinne des Wortes zum künstlerischen "Mitdenken" zu animieren.

Zur Ausstellungseröffnung am Sonntag, dem 13. September 2026, um 15 Uhr laden wir Sie, ihre Familie und Freund*innen herzlich ein. 

Begrüßung. Pauline Liesen (Leiterin der Museen Burg Wissem, Troisdorf)

Interview: Über Kunst, Familie und Eigensinn mit Philip Waechter und Benno Hennig von Lange, Literaturhaus Frankfurt

Im Anschluss liest Philip Waechter aus seinen Werken und signiert seine Bücher.

Die Veranstaltung ist kostenfrei!