Stadtarchiv geht in Schulen und Internet:

Schüler der Europaschule bloggen zum Ersten Weltkrieg

Gespannt verfolgten die Schülerinnen und Schüler und Antje Winter (1. Reihe) die Erläuterungen der LVR-Mitarbeiterin Monika Marner (rechts)
Brachte Fotos und Feldpostkarten mit: Die Troisdorferin Ingrid Ehlen steuerte Originale bei
Monika Marner stellte die Elemente des Blogs an einer digitalen Wandtafel vor

Das Blog „1914-1918: Ein rheinisches Tagebuch“ ist ein Gemeinschaftsprojekt des Archivberatungs- und Fortbildungszentrums des Landschaftsverbands Rheinland LVR zusammen mit den rheinischen Archiven zum Gedenken an die Zeit des Ersten Weltkriegs. Auf Einladung der Troisdorfer Stadtarchivarin Antje Winter kam der Leistungskurs Geschichte der Stufe 12 der Europaschule – Gesamtschule Troisdorf – kürzlich in das Archiv des Rathauses. Sie suchten akribisch nach historischen Quellen wie Briefen, Fotos, Zeitungsartikeln und Tagebüchern für das neue Blog. 

Die seit Anfang des Jahres bestehende Bildungspartnerschaft zwischen Stadtarchiv und Europaschule ist mit dem außergewöhnlichen Projekt vertieft worden. Der Leistungskurs Geschichte, fachkundig begleitet von der engagierten Lehrerin Renate Küppers, verbrachte insgesamt fünf Schulstunden im Archiv. In Gruppenarbeit suchten die 18 Schülerinnen und Schüler selbständig geeignete Textquellen heraus, übertrugen die handschriftlichen Texte in heutige Schrift, gaben eine kurze historische Einordnung, scannten die Vorlagen ein und stellten schließlich die Ergebnisse in das Blog. Zu einer ersten Präsentation kam Monika Marner, Mitarbeiterin der LVR-Abteilung mit Sitz in Pulheim, in die Europaschule und erläuterte die Ergebnisse.

Ziel des landesweiten Projekts ist es, regionale und lokale Quellen aus den Beständen der beteiligten Archive zu diesem historischen Ereignis taggenau 100 Jahre später in einem Blog zu publizieren (auch Weblog, ein Logbuch bzw. Journal im Internet). So entsteht eine Sammlung von Zeugnissen, die wie ein Kaleidoskop die Facetten zeitgenössischer subjektiver Wahrnehmungen und öffentlicher bzw. veröffentlichter Meinung widerspiegelt.

Briefe an die Heimatfront

Da das Rheinland selbst nicht Kriegsschauplatz war, stehen vor allem das Leben an der „Heimatfront“ und die Berichte der aus dem Rheinland stammenden Soldaten in Briefen, Fotos, Tagebüchern und auf Feldpostkarten im Zentrum der Überlieferung. Einmal publiziert, findet jeder Interessierte die digitalisierten individuellen Zeugnisse sowie die in den Verwaltungen entstandenen Berichte von Bürgermeistern, Aufsichtsbehörden, Schulchroniken sowie Texte aus Zeitungen, Aushängen und Flugschriften im Internet.

Als private Initiative stellte die Troisdorferin Ingrid Ehlen dem Troisdorfer Stadtarchiv leihweise einen umfangreichen Schriftwechsel mit Feldpost und Fotos für die geplante historische Ausstellung der Stadt: „Heimat zwischen Krieg und Alltag. Troisdorf 1914-1918“ zur Verfügung. Die Feldpost ihres Großvaters Peter Ludwig und ihres Großonkels Peter Tomaschek fand neben amtlichen Dokumenten, Schulchroniken und einer Zeitung aus dem Jahre 1915 Eingang in das Blog.

Die Dokumentation im Internet kann für Geschichtsunterricht an Schulen und heimatgeschichtliche Forschungen von Geschichtsvereinen ebenso genutzt werden wie für wissenschaftliche Untersuchungen. Historisch Interessierte Leserinnen und Leser können das Blog verfolgen und über die Kommentar-Funktion mit den Archiven in einen Dialog eintreten. Wie es für Archive üblich ist, erhalten alle Quellen einen zitierfähigen Fundstellennachweis und eine Transkription der Handschriften, um die Lesbarkeit sicherzustellen.

Neue Erfahrung mit Weblog

Das Blog ist für viele der beteiligten Archive die erste Erfahrung mit dem Einsatz einer Web 2.0-Anwendung in der archivischen Arbeit. Es hat somit nicht nur inhaltlich Pilotcharakter. Beteiligen können sich Archive aller Sparten, die über Material aus der Zeit des Ersten Weltkriegs verfügen.

Das Stadtarchiv als außerschulischer Lern- und Bildungsort ist ein Novum für die Troisdorfer Schülerinnen und Schüler. Mögliche Aktivitäten erstrecken sich nicht nur auf die klassischen Führungen. Kinder und Jugendliche können originale Quellenbestände und die (orts-)geschichtliche Sekundärliteratur für Projekt-, Fach- oder sonstige schulische Arbeiten nutzen und dabei auf die Beratung der Stadtarchivarin Antje Winter zurückgreifen. Lernende aus unterschiedlichen Jahrgängen kommen zum „Unterricht im Archiv“. Sie lernen die Vielfalt der Überlieferung und Quellen kennen, können damit arbeiten und entschlüsseln die auf den ersten Blick fremd- und andersartigen Schriften und Begriffe.

Das Archiv kommt in die Schule

Um die jüngeren geschichtsinteressierten Schüler kümmert sich Archivarin Winter vor Ort an den Schulen. Seit diesem Schuljahr besucht sie die 6. Klassen der drei Bildungspartner Europaschule Troisdorf, Gesamtschule Sieglar und Heinrich-Böll-Gymnasium. Dabei bietet sie einen kurzweiligen Einblick in Aufgaben, Bestände und Besonderheiten des Troisdorfer Archivs. Auskunft erhält man im Stadtarchiv im Rathaus Kölner Str. 176, UG, Tel. 02241/900-135, Mail: wintera@troisdorf.de. Das Blog wird in Kürze online geschaltet.