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Sonderabfalldeponie in Troisdorf-Spich:

Firma Evonik zieht Antrag zur Öffnung der Deponie teilweise zurück

Bürgermeister Klaus-Werner Jablonski (3.v.r.) beim Ortstermin an der Sondermülldeponie.

Die beantragte Erweiterung des Einzugsgebietes der Sondermülldeponie im Spicher Wald hat über Wochen hinweg Bevölkerung und Politik beschäftigt. Gemeinsam haben sich die Bürgerinnen und Bürger und die Kommunalpoitikerinnen und –politiker aller Ratsfraktionen unisono gegen eine Erweiterung ausgesprochen und ihre Sorgen und Bedenken kundgetan. Darauf hat die Firma Evonik Industries heute mit einem Schreiben an Bürgermeister Klaus-Werner Jablonski reagiert. In dem Schreiben heißt es:

„Die Stadt Troisdorf macht deutliche Bedenken gegen die EU-weite Öffnung der Deponie geltend. Im Rahmen des Besichtigungstermins des Umwelt- und Verkehrsausschusses auf der Sonderabfalldeponie ist uns in vielen Einzelgesprächen mit Vertretern der Stadt deutlich geworden, wie groß die Sorgen der Menschen in Spich und Troisdorf in Bezug gerade auf die Entsorgung von Abfällen aus der EU sind. Wir nehmen die Sorgen der Bevölkerung ernst“.

Die Geschäftsführer der Evonik Degussa Immobilien GmbH & Co.KG mit Sitz in Marl, Karl-Heinz Franke Dr. Christine Ziegler, sowie Vertreter der Firma MINERALplus GmbH kommen in ihrem Schreiben zu dem Ergebnis: „Da uns ein gutes Verhältnis zu unseren Nachbarn in der Region wichtig ist, werden wir die beantragte Öffnung der Deponie für EU-Konzernabfallmengen unter Aufrechterhaltung des übrigen Antrags zurücknehmen“.

Bürgermeister Klaus-Werner Jablonski nahm diese Reaktion auf die Gespräche vor Ort mit Erleichterung zur Kenntnis. Schon im Januar hatte er in Begleitung von Vertretern der Ratsfraktionen und der Stadtverwaltung die Argumente der Stadt bei der Kölner Bezirksregierung vorgetragen.

Rund 1000 Demonstranten hatten sich wenige Tage später mit einem Protestmarsch beeindruckend gegen den von der Firma Evonik geplanten Sondermüll-Tourismus in die Deponie im Spicher Wald ausgesprochen und Bürgermeister Jablonski rund 8.100 Unterschriften gegen die Deponiepläne überreicht. Anfang Februar hatte der zuständige Umwelt-und Verkehrsausschuss des Stadtrats die Besichtigung der Deponie ins Auge gefaßt.

Vertreter des Betreibers erläuterten den Ausschussmitgliedern am 3. März 2010 schließlich vor Ort den Aufbau und Betrieb der Sonderabfalldeponie. Bürgermeister Jablonski begrüßte dabei gegenüber den Vertretern der Firma Evonik den Austausch über die unterschiedlichen Interessenlagen und betonte die politische Komponente des Bürgerprotestes. Der Umwelt-und Verkehrsausschuss und der Haupt- und Finanzausschuss des Stadtrats erörterten am 9. März 2010 in einer gemeinsamen Sondersitzung die ergänzende Stellungnahme der Stadt.

Regierungspräsident Lindlar gab dem Stadtrat bis zum 16. März 2010, also bis zur morgigen Ratssitzung Gelegenheit, eine vertiefende Stellungnahme vorzulegen. „Die Stadt Troisdorf hat frühzeitig ihre Bedenken geltend gemacht und die Beachtung naturschutzrechtlicher Belange bei der Firma und bei der Bezirksregierung eingefordert. Das hat letztlich zu einem Erfolg geführt“, stellt Bürgermeister Jablonski jetzt zufrieden fest.

Gegen den Bau der Sondermülldeponie spricht die Lage zwischen den beiden bevölkerungsreichsten Stadtteilen Troisdorf-Mitte und Spich und die in naher Enterung liegende Wasserschutzzone III. Vor allem die Tatsache, dass Müll aus ganz Europa nach Troisdorf transportiert werden sollte, hatte viele Bürgerinnen und Bürger erbost. „Die Deponie liegt nach der EU-Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie in einem besonders schützenswerten Gebiet. Die Anforderungen an die Umweltverträglichkeit der Deponie sind in den letzten Jahrzehnten deutlich umfangreicher“, unterstrich Bürgermeister Jablonski immer wieder.