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Charme des Einfachen: Aus einer Arbeitersiedlung wird Troisdorf-West

West hat knapp 5600 Einwohner und wurde am 1.10.1999 durch Beschluss des Rates zum neuen Troisdorfer Stadtteil ernannt. Aus einer ehemaligen Arbeitersiedlung ist mit der Zeit dieser Ortsteil entstanden, der sich den Charme des Einfachen bewahren konnte.


Straße in der Roten Kolonie, Bildquelle. Marc Eickelmann, Stadt TroisdorfBildergalerie Troisdorf-West ansehenBild vergrößern

Nostalgie und Romantik

1911 verlegte Louis Mannstaedt sein Walzwerk von Kalk (heute Köln-Kalk) in das Eisenwerk der Sieg-Rheinischen-Hütten AG in Troisdorf – Friedrich-Wilhelms-Hütte.
Das Unternehmen firmierte seit Mai 1911 unter dem Namen Faconeisen-Walzwerk L. Mannstaedt u. Cie Act.-Ges., Abt. Friedrich-Wilhelms-Hütte und hatte sich seit diesem Jahr in den Raum Troisdorf orientiert.

Verbunden mit der Verlegung war die Schaffung von Wohnungen für die walzwerkerprobten und fachlich hoch qualifizierten Meister und Arbeiter. Hierfür kaufte Louis Mannstaedt Grundstücke zum Bau von Arbeitersiedlungen. Eine war Neu-Kalk in Troisdorf-West.
Den größten Teil der Grundstücke besaß Dietrich Freiherr von Loe auf Haus Wissem. Der Freiherr war zunächst nicht bereit, wertvolles Ackerland zum Bau der Siedlung zu verkaufen. Deshalb berief Bürgermeister Klev eine Versammlung der Bauern ein und erreichte den Verkauf der Grundstücke an Mannstaedt.
Nach Aufstellung und Genehmigung eines Bebauungsplans durch den Gemeinderat am 16.2.1911 wurde am 1.4.1912 die Genehmigung zum Bau für das erste Haus erteilt. Wegen der roten Dachpfanneneindeckung erhielt die Siedlung den Spitznamen „Rote Kolonie“.

Einzug in die „Rote Kolonie“

Der Umzug von Kalk in die Rote Kolonie geschah von März bis August 1913. Es wurden zunächst 176 Wohnungen bezogen. Bei der Ausweitung des Wohngebiets verkauften auch nach und nach die Eigentümer von Haus Wissem ihre Grundstücke.
1963, beim 50-jährigen Bestehen der Siedlung, wohnten in 282 Wohnungen 2.900 Menschen.
Mit dem Umzug nahm auch die Zahl der schulpflichtigen Kinder zu. Bürgermeister Klev und der Gemeinderat hatten vorgesorgt und die neue Schule Goebenstraße (später Blücherstraße) geplant und bis Mai 1914 fertiggestellt.
Nach dem Bau von Schotterstraßen und unbefestigten Bürgersteigen, der Fertigstellung einer Kleinkinderbewahrschule (Kindergarten) und der Inbetriebnahme eines Konsumgeschäfts bis Mitte 1914 war die Siedlung bewohnbar. In diesen Jahren entstanden auch die ersten Vereine.

Die weitere Entwicklung wurde dann durch den Ersten Weltkrieg und die Nachkriegszeit (Inflation, Arbeitslosigkeit, wirtschaftlicher Niedergang) gestört. In Eigenregie wurde 1932 ein Sportplatz am Kaninberg gebaut.
Erst nach dem Zweiten Weltkrieg gab es dann wieder eine Ausdehnung der Wohnbereiche und eine wesentliche Zunahme der Einwohnerzahlen.
Am 8.12.1962 wurde die katholische Kirche St. Maria Königin eingesegnet. Ab 1977 verkauften die Klöckner-Mannstaedt-Werke die Wohnhäuser der Werkssiedlung an Familienmitglieder oder deren Familienangehörige.

Die Stadt Troisdorf stellte 1978 die Rote Kolonie unter Denkmalschutz. Danach konnten die Wohnhäuser unter Inanspruchnahme eines Förderprogramms im Stile der Baumaßnahmen von 1913 restauriert werden. So wurde die Siedlung in ihrem Charakter erhalten und hat mit weiteren Einrichtungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene wieder ihren ursprünglichen Wohnzweck zurückgewonnen.

Am 1.10.1999 beschloss der Rat der Stadt Troisdorf die Ausgliederung des Wohnbezirks aus der Ortschaft Troisdorf und die Bildung des neuen Ortsteils Troisdorf-West.