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50 Jahre Troisdorf – Stolz auf unsere Stadt:

Stadtentwicklung mit Weitblick geplant und umgesetzt

Interview mit Stadtplaner Claus Chrispeels

Stadtplaner Claus Chrispeels im Gespräch. Foto: Carsten Seim.Bild vergrößern

Die städtische Pressestelle veröffentlicht im Rahmen des Jubiläums 50 Jahre Troisdorf nach der Kommunalen Neuordnung 1969 in loser Folge Interviews zu Entwicklungen in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen unserer Stadt.

Heute: Komplizierte Planungen für die neue Stadt. Ein Interview mit Dipl.-Ing. Claus Chrispeels (64). Er studierte Architektur und Städtebau, arbeitete von 1983 bis 1988 in verschiedenen Planungsbüros und war von 1988 bis 2018 Leiter des Stadtplanungsamtes Troisdorf, zuletzt Co-Dezernent für Stadtplanung, Bauordnung und Gebäudemanagement.

Herr Chrispeels, Sie sind von 1988 bis 2018 als Planer bei der Stadt Troisdorf tätig gewesen. Zwanzig Jahre früher, 1969 entstand durch das sogenannte Bonn-Gesetz die heutige Stadt Troisdorf.

Ausgangspunkt für die kommunale Neuordnung in Nordrhein-Westfalen waren die Reformbemühungen der 1960er Jahre, die eine umfassende Neuordnung der Strukturen und Zuständigkeiten auf allen Ebenen des Landes zum Ziel hatten. Auf der kommunalen Ebene sollten leistungsfähige Gebietskörperschaften entstehen.

Sie mußten die gestiegenen Anforderungen der Bürgerinnen und Bürger an öffentliche Dienstleistungen und Infrastruktur wie Bildung, Gesundheitsversorgung und Kultur, aber auch technische Infrastruktur wie Straßenausbau und Abwasserentsorgung gewährleisten können.

Was bedeutete dies für den Planungsbereich?

Ab 1960 war man nach dem weitgehend abgeschlossenen Wiederaufbau und dem sogenannten Wirtschaftswunder sehr optimistisch. Hinzu kam gerade im Raum Bonn als „Hauptstadt“ der Bundesrepublik eine starke Zunahme der Bevölkerung. Dies führte zu einer regelrechten „Planungseuphorie“. Die Fachleute forderten umfassende und koordinierte Entwicklungsplanungen für eine bundesweite Raumordnungsplanung, für die Landesplanung und die Kommunen.

Wie sah das für die Stadtplanung in Troisdorf aus?

Die inhaltlichen und räumlichen Ziele für die neue Stadt Troisdorf mussten zusammengeführt werden. Dies erfolgte auf der Grundlage des Flächennutzungsplanes. Das Bundesbaugesetz vom 23.6.1960, der Vorgänger des heutigen Baugesetzbuches, schrieb unter anderem vor, dass im „Flächennutzungsplan für das ganze Gemeindegebiet die beabsichtigte Art der Bodennutzung nach den voraussehbaren Bedürfnissen der Gemeinde in den Grundzügen darzustellen“ ist.

Für die meisten Städte in NRW mussten neue Flächennutzungspläne erarbeitet und in das Verfahren gebracht werden. In Troisdorf beauftragte man den Stadtplaner Prof. Peter Zlonicky aus Essen mit den Planungen. Das Verfahren wurde 1972 abgeschlossen. Parallel wurden ein Generalverkehrsplan durch das Büro IVV, Prof. Dr.-Ing. P. A. Mäcke, und eine Freiraumplanung durch den Landschaftsplaner Volker Götte erstellt.

Wie beurteilen Sie diese Planungen aus heutiger Sicht?

Der Flächennutzungsplan aus dem Jahre 1972 und die zugrunde liegenden Planungen waren über Jahrzehnte ein tragfähige und bewährte Grundlage für die städtebauliche Entwicklung der Stadt. Zwar wurden im Laufe der langen Zeit seiner Gültigkeit eine Vielzahl von kleineren und zum Teil auch größeren Änderungen erforderlich, er wurde aber erst durch den im Jahr 2016 neu aufgestellten Flächennutzungsplan abgelöst.

Was waren die Schwerpunkte der Planungen?

Troisdorf hatte - und hat - traditionell einen starken gewerblichen Schwerpunkt und verstand sich als „Industriestadt im Grünen“. Ein Schwerpunkt war daher die Sicherung und Entwicklung der Gewerbeflächen. Insbesondere nach dem zunehmenden Abbau von Arbeitsplätzen in den großen Industriebetrieben bemühte sich die Stadt ab Mitte der 1980er Jahre verstärkt um die Neuansiedlung von klein- und mittelständischen Betrieben an der Belgischen Allee und am Biberweg.

Zusätzlich wurden Flächen beidseits der A 59 an der Langbaughtstraße und dem Junkersring ausgewiesen. Hierzu zählt auch die Aktivierung und Nachnutzung von brach gefallenen Flächen im Bereich des Industrieparks an der Gierlichsstraße ab 2005.

Troisdorf ist als größte Stadt des Rhein-Sieg-Kreises auch ein bedeutender Wohnstandort.

Die Zuwachsraten in den 60er Jahren lagen zwischen 3 und 4 %, 1969 hatte die neue Stadt Troisdorf 48.000 Einwohner, heute 78.000. Zur Deckung des Wohnungsbedarfs wurden daher größere, zusammenhängende Neubaugebiete entwickelt wie die Gartenstadt Eschmar, der Wohnpark Rotter See, die Entwicklungsmaßnahme am Krausacker und das Schonsfeld in Kriegsdorf. Genauso wichtig waren aber auch viele kleinere Planungen zur Entwicklung der Ortslagen.

Heute steht das Thema Mobilität stark im Fokus.

Neben der Ortsumgehung Eschmar/Sieglar und Troisdorf, die schon in den 50er Jahren als L 332 geplant war, gab schon der Generalverkehrsplan aus den 1970er Jahren Empfehlungen zu einem neuen Autobahnanschluss in Spich, zur K 29 und zur Ortsumgehung Spich. Die Umsetzung dieser Empfehlungen - Luxemburger Straße, Langbaughstraße und Lülsdorfer Straße - war eine wichtige Voraussetzung für die Realisierung der Baugebiete. Es gab aber auch das Pilotprojekt „Fahrradfreundliches Troisdorf“ und den Ausbau der Infrastruktur für den ÖPNV, zum Beispiel die neuen Busbahnhöfe in Troisdorf und Spich.

Sie sprachen erforderliche Anpassungen des Flächennutzungsplanes an. Gab es auch größere oder grundlegende Änderungen?

Ja, zum Beispiel wurden in dem 80er Jahren größere Wohnbauflächen zwischen Sieglar und Kriegsdorf zurückgenommen und damit als Freiraum gesichert. Ebenso erforderte der Abzug der Belgier 2005 und die Aufgabe der großen Kasernen entsprechende Änderungen. Während das ehemalige Camp Spich als hochwertiges Industriegebiet entwickelt werden konnte, wurde das Camp Altenrath aufgegeben und ist inzwischen renaturiert.

Gab es weitere Anforderungen aus der kommunalen Neuordnung?

Wichtig war unter dem Stichwort Standortprogramm die Entwicklung der Innenstadt von Troisdorf und der Zentren der großen Stadtteile Sieglar und Spich. Die Innenstadt sollte als Siedlungsschwerpunkt besondere Funktionen für die Gesamtstadt übernehmen. Hier boten die Regelungen des 1972 beschlossenen Städtebauförderungsgesetzes und die von Bund und Land bereitgestellten Fördermittel eine gute Möglichkeit.

Voraussetzung waren Untersuchungen für eine Sanierung, die zügig eingeleitet wurden. Gleichzeitig wurde in einem Wettbewerbsverfahren ein neues Planungskonzept für die Innenstadt entwickelt, das die Verlegung des Durchgangsverkehrs auf die sogenannte Südwesttangente und den Umbau der Kölner Straße zur Fußgängerzone vorsah.

Gleichzeitig wurden Grundstücke neu geordnet und bebaut und das Bürgerhaus am Wilhelm-Hamacher-Platz errichtet. Ab 2010 wurden auf der Grundlage eines Integrierten Handlungskonzeptes weitere Maßnahmen durchgeführt, zum Beispiel die Ansiedlung der Galerie Troisdorf, die Entwicklung des Rathausbereichs mit der neuen Stadthalle und die Umgestaltung der Fußgängerzone.

Wie ist Ihr Fazit nach 50 Jahren?

Die kommunale Neuordnung schuf die Grundlage für eine aus meiner Sicht bis heute erfolgreiche Entwicklung der Stadt. Rat und Verwaltung der neuen Stadt Troisdorf haben die großen Chancen erkannt, mit Weitblick geplant und die Planungen mutig umgesetzt.

Die Kommunen stehen heute vor neuen Herausforderungen wie Mobilität und Klimaschutz, die nur gemeinsam lösbar sind. Würde eine weitere kommunale Neuordnung helfen?

Nein, hier sind neue Wege der kommunalen Zusammenarbeit sinnvoller, zum Beispiel der nach dem Bonn-Berlin-Beschluss 1991 entstandene regionale Arbeitskreis. Da sind die Bundesstadt Bonn, zwei Kreise und alle kreisangehörigen Städte, Gemeinden und Verbandsgemeinden der Region Bonn/Rhein-Sieg/Ahrweiler in Aufgabenfeldern der räumlichen Planung aktiv. Außerdem Projekte des Köln-Bonn e.V. wie die Vorbereitung und Durchführung der Regionale 2010.

Peter Sonnet

Pressemeldung 287 vom 13.06.2019
Pressestelle der Stadt Troisdorf